Historisch blickt Waldstatt auf eine noch nicht so lange Vergangenheit zurück. Erst im Jahr 1720 hat sich die heutige Gemeinde von Herisau gelöst. Die Trennung entsprach einem lange gehegten Wunsch in der damaligen Zeit.
Natürlich sind die vielfältigen Hochs und Tiefs der letzten Jahrhunderte nicht spurlos an unserer Gemeinde vorbei gegangen. Es würde jedoch den Rahmen dieser Seite sprengen, auf die historische Entwicklung in allen Einzelheiten einzugehen.
Waldstatt liegt grösstenteils am Südhang. Diese grossartige Südlage ist vergleichbar mit den ebenso sonnig gelegenen Dörfern Rehetobel und Teufen.
Bestimmt ist seinerzeit der Dorfkern weniger wegen der idealen klimatischen Lage, sondern viel mehr wegen der bedeutenden Verkehrslage so gewählt. Wenn früher alles fortschrittliche Leben und Wohnen entlang der spärlichen Verkehrswege gewählt wurde, geht heute logischerweise der Trend eher gegenläufig.
Reizvoll sind die verschiedenen Aussenquartiere, die grösstenteils auch in baulicher Hinsicht recht unberührt sind. Dabei denke ich an die Kretenüberbauung auf der Oberwaldstatt. Dort zeugen stattliche und in ihrer Bausubstanz zum Teil sehr gut erhaltene Baukörper davon, dass dieses Gebiet wegen seiner vorteilhaften Lage, aber auch wegen der für das bäuerliche Arbeiten sehr günstigen Bodenverhältnisse schon sehr früh bewohnt wurde.
Natürlich schön erscheinen auch die Landschaften in der Unterwaldstatt, in der Steblen auf der Egg, im Gebiet Vollhofstatt, Brendi und auf der Geisshalde. Massgebliche Einschnitte in die Natürlichkeit eines Lebensraums mussten sich in letzter Zeit die Gebiete Mooshalde / Hof, Harschwendi und Bad Säntisblick gefallen lassen.
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Bissige Wanderer ?
Alpfahrten und Viehschau
Es gehört zu gut ausserrhodischer Gepflogenheit, dass die Schaustellung der Rindviehhaben im Herbst im Rahmen eines würdigen Festchens durchgeführt wird. Und die Bauernfamilien geben sich viel Mühe, diesen Anlass würdig und festlich zu gestalten. So beginnt die Viehschau mit dem sauber geordneten Auffahren der zur Schau gestellten Tiere auf dem festlich hergerichteten Platz, in den letzten Jahren traditionsgemäss im «Gschwend» auf der Liegenschaft von Ernst Huber sel., einem verdienten Förderer der Waldstätter Viehschau. Sind dann die Tiere gegen den frühen Nachmittag durch die anwesenden Preisrichter in Rang und Ordnung gestellt, kommt aus der näheren Umgebung allerlei Volk, um die Qualität des Waldstätter Viehs zu begutachten. In den letzten Jahren haben die Landfrauen sogar begonnen, auf dem Schauplatz eine einfache Wirtschaft zu betreiben, was natürlich überall geschätzt wird.
So gegen vier Uhr werden die Tiere unruhig, sie merken, dass es bald wieder «häzue got». Grüppchenweise verlassen die Bauern mit ihren Tieren den Platz, und die mit Sennten auffahrenden Bauern binden indessen ihre Tiere an einzelnen Latten zusammen. So gewissermassen als Dessert darf dann der Zuschauer sich am Vorbeiziehen der stolzen Sennten erfreuen. Und noch lange hört man den Klang der Senntumschellen, wenn die einzelnen Bauern mit ihren Tieren gegen Oberwaldstatt, auf die Geisshalde, zur Rüti oder gegen die Steblen ziehen.
Gegenwärtig sind es in der Gemeinde Waldstatt noch vier Bauern die eine Alp bestossen. Alle vier verstehen es, im Frühsommer festlich zur Alp zu fahren und im Herbst ebenso festlich wieder heimzukommen. Während «s’Andergge im Tätsch» mit ihrem Vieh zur «Langtüere» fahren, verbringt «de Wettmers Hans i de Steble» den Alpsommer auf dem «Suböhl». «De Mocke Hans i de Onderwaldstatt» hingegen zieht es Richtung Hochalp und «de Prisigs Paul vo de Oberwaldstatt» fährt in den Langnecker. Während Andereggs, Mocks und Widmer diese Alpen schon über Generationen bestossen, fährt Paul Preisig erst neulich mit dem Vieh auf die Alp. Wir freuen uns darüber, dass unsere auf eine Alp fahrenden Sennen die Mühe nicht scheuen, diese Alpfahrt nach allen Regeln der Überlieferung durchzuführen.
Das Wappen
Das heute noch im Kantonsratssaal in Herisau angebrachte Wappen war für die Gemeinde Waldstatt bis 1970 gültig. Es stellt ein Kirchlein mit Spitzturm inmitten von Tannen dar. Dieses «alte Wappen» ist vom Heraldiker Signer in Appenzell entworfen worden.
Im Zuge der Vorbereitungen zur 250-Jahr-Feier (1970) hat sich herausgestellt, dass unser an sich recht ansprechendes Gemeindewappen mit aller Sicherheit heraldisch falsch war. Einem Gutachten der «Schweizerischen heraldischen Gesellschaft» entnehmen wir, dass nach guter heraldischer Tradition bei Neubildungen das Zurückgehen auf die ältesten Vorbilder notwendig ist.
Prof. Dr. phil. E. Steinmann, Trogen, sagt, dass die älteste Petschaft der Gemeinde Waldstatt aus dem Jahr 1804 stammt und in einem ovalen Schild zwischen vier Tannen eine Kapelle mit Haubenturm zeigt. Dieser Schild wird von einem Bären als Schildhalter getragen. Dass dieser Bär ins «grosse» Wappen aufgenommen wurde, wird ebenfalls als heraldisch richtig belegt. Bei der Darstellung eines Wappens im Siegel kann sowohl das «kleine» Wappen (also nur der Schild ohne Schildhalter) verwendet werden, wie auch das «grosse» mit Schildhalter, wie es das verwendete Siegel von 1804 zeigt.
Wird ein Wappen in einer Fahne dargestellt, so hat der Schildhalter immer wegzufallen. Das Fahnentuch ersetzt in diesem Falle den Schildhalter.
Aus diesen Überlegungen hat der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 10. Februar 1970 beschlossen, der Gemeinde zur 250-Jahr-Feier das richtige Wappen zu geben.


